• Ich habe einen tollen Text gefunden, der lautet:


    "Diese Ansicht wurde vom bayerischen Entwurf 2012 als „durch die Lebenswirklichkeit widerlegt“ abgelehnt: die Konsummengen von Bodybuildern und Kraftsportlern würden derart erhebliche Mengen erreichen, dass zum Teil selbst bei dreistelligen Überschreitungen der nicht geringen Menge noch von einer Bestimmung zum Eigenkonsum ausgegangen werden könne (Entwurf 2012, 29)."


    Link:


    https://www.fernuni-hagen.de/j…ng/docs/doping-auszug.pdf


    Diese Textpassage steht auf Seite 15 des verlinkten Textes in der dortigen Fußnote 40.


    Die Fußnote bezieht sich auf die angebliche Indizwirkung für Handel bei Besitz einer nicht geringen Menge nach der DMmV.


    Die Bayern sollen in dem Gesetzentwurf aus dem Jahre 2012 also sehr deutlich ausgesprochen haben, dass selbst bei einem dreistelligem Überschreiten der nicht geringen Menge noch von einem Eigenkonsum - und daher nicht von Handel - ausgegangen werden könne.


    Die von Herrn Prof. Dr. Schild erwähnte Textpassage dürfte in dem bayerischem Gesetzentwurf in der dortigen Begründung auf Seite 29 stehen, der am 18.07.2012 präsentiert worden sein soll. Leider habe ich diesen Gesetzentwurf bisher nicht gefunden.


    Dieser Gesetzentwurf wurde nicht umgesetzt. Es war daher nur ein Entwurf geblieben.


    Der Text von Prof. Dr. Schild - ein renommierter Strafrechtsprofessor - reicht aber völlig aus.


    Man wusste also - soweit ersichtlich - spätestens seit 2012, dass ein Überschreiten der nicht geringen Menge kein Indiz für Handel ist. In 2012 war die Überprüfung des Gesetzes durch die Bundesregierung. Da dürfte man das erkannt haben. Geändert hatte man dies aber nicht.

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  • Dann noch einen Text, aus den man entnehmen kann, wieso man eigentlich die Konsumenten kriminalisieren will. Text:


    "Warum ist es so wichtig für die Bekämpfung des Dopings, dass der Besitz von Dopingmitteln schon ab dem allerersten Gramm

    - und nicht erst ab einer gewissen größeren Menge - strafbar ist? Es geht nicht darum, die Sportler zu kriminalisieren, die geringe Mengen Dopingsubstanzen in der Sporttasche dabei haben. Es geht maßgeblich darum, die organisierten Strukturen dahinter zu fassen zu bekommen. Und an die kommen Sie eben mit strafprozessualen Mitteln wie Durchsuchungen nur effektiv heran, wenn Sie auch schon beim Auffinden geringer Mengen von Dopingsubstanzen beim Sportler ein Ermittlungsverfahren eintragen können.......


    Denken Sie nur an den organisierten Dopingmittelhandel, an die Untergrundlabore, von denen ich Ihnen berichtet habe. Wollen wir

    im Kampf gegen dieses Treiben erfolgreich sein, müssen wir mit einer Schlagrichtung gegen alle am Markt Beteiligten vorgehen -

    vom Händler über den Zwischenhändler und Kurier bis hin zum Abnehmer."


    Link:


    http://docplayer.org/75481073-…beirat-der-union-e-v.html


    Die Textpassagen stehen auf den Seiten 18 und 19 der verlinkten Rede.


    Fazit:


    Der Politik dürfte seit vielen Jahren bekannt sein, dass der Besitz einer nicht geringen Menge nach der Dopingmittel-Mengenverordnung keinen Indiz für Handel begründen kann und daher die Bestrafung der Konsumenten auf sehr wackeligen juristischen Beinen steht. Es geht aber eigentlich nicht darum, die Konsumenten zu bestrafen. Das ist nur das Mittel zum Zweck. Man will bei den Konsumenten eigentlich nur Informationen abschöpfen, um an die Dopingnetzwerke dran zu kommen. Und das geht nur, wenn man die Konsumenten kriminalisiert.

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  • Ich habe mir ein neues Buch gekauft. Der Titel lautet" Doping im Breitensportbereich: Am Beispiel einer Internetanalyse eines Kraftsportforums"


    Das Buch erschien im Jahre 2010.


    Da werden Angaben zur Kurdauer und Kurmenge gemacht. Das hilft mir weiter.


    Leider steht da nicht, um welches Forum es sich handelte. Es werden aber ein paar Daten genannt, aus denen vielleicht ein "alter Hase" hier entnehmen könnte, um welches Forum es sich dabei handelte.


    Text:


    "Die Internetanalyse eines Fitness - und Kraftsportforums für männliche User anaboler Steroide entstand in dem Zeitraum Dezember 2009 bis Februar 2010. Diese Internetplattform zählt 121411 Mitglieder. In dem Forum "Anabole Steroide im Bodybuilding" mit der Untergruppe "AAS und Nebenwirkungen".... "


    Weiss einer, um welches Forums es sich handelte?

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  • https://www.team-andro.com/phpBB3/

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  • ohhh ne, sag nicht, das buch ist auf die team andro Anfängerkur 250mg Testo E e5d ausgerichtet...

    Das kann ja dann was werden mit der Anhebung der zugelassenen maximal dosis ?

    Testo E 250 mg e5d mit einer Kurlänge im Durchschnitt mit 13,5 Wochen = 13,5 (Wochen) x 7 (Tage pro Woche) / 5 (Zyklus in Tagen) x 250 (Einzeldosis Testo E in mg) x 0,720 (Umrechnungsfakor von Testo E auf Testo) = 3402 mg Testosteron (durchschnittliche Testosteronmenge pro Kur)


    Die nicht geringe Menge nach der Verordnung liegt bei 632 mg und damit um das ca. 5,4 fache niedriger als die durchschnittliche Kurmenge.


    Da liegt der Verordnunggeber krass daneben. Und das ist nur eine Anfängerkur. Es gibt auch Testo E 400 mg e3d.


    Eine Vial mit 250 mg Testo E pro ml sind 2500 mg Testo E und damit 1800 mg Testo.


    Da auf dem illegalen Markt die übliche Verpackungsgrösse Vials mit 10 ml sind, müssten mindestens zwei Vials erlaubt sein. Eine im Gebrauch und eine als Reserve.


    Die nicht geringe Menge Testo E kann nicht unter 3401 mg Testosteron liegen.


    Das ist der absolute Unterwert. Das wäre noch so gerade vertretbar. Und da das nicht so ist, müsste man meines Erachtens die Verordnung vor Gericht kaputt kriegen. Dann gibt es überhaupt keine geringe Menge. Denn die Gerichte dürfen nicht selber hochsetzen.


    Entweder die Verordnung hält oder ist nicht zu halten. Und die ist nicht zu halten.

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  • Interessanter Artikel im Spiegel zum Strafverfahren betreffend die "Operation Aderlass". Text:


    "Für seinen Antrag richtete sich Helkenberg auf, rückte an den Tisch heran und sprach mit ruhiger, klarer Stimme ins Mikrofon. Immer wieder blickte er in Richtung des leitenden Oberstaatsanwalts Kai Gräber. Der Verteidiger hatte viel Material gesammelt - und schnell wurde klar, dass das kein Vortrag von zehn Minuten werden würde.


    In seinem 53 Seiten langen Statement griff Helkenberg die Staatsanwaltschaft schwer an, warf ihr vor, die Arbeit der Verteidigung behindert und ihre Ermittlungen mit rechtswidrigen Methoden vorangetrieben zu haben. Deshalb forderte der Anwalt, das Verfahren gegen seinen Mandanten wegen schwerwiegender Verstöße gegen das Recht auf einen fairen Prozess einzustellen."


    Link:


    https://www.spiegel.de/sport/p…80-4b23-ac0a-64e8f36f6a8b


    Ich habe auch sehr viel Material gesammelt. So liegt mir zum Beispiel der bayerische Gesetzesentwurf von 2012 vor, der meine Argumentation mit harten Fakten stützt (der Entwurf ist nicht freizugänglich; ich veröffentliche den daher nicht, sondern zitiere nur daraus).


    Text (Seite 29 im ersten Absatz von oben des Entwurfes):


    "Soweit in der Begründung zum Entwurf des Gesetzes zur Verbesserung der Bekämpfung des Dopings im Sport (BT-Drs. 16/5526 S. 9) das Besitzverbot ab dem Vorliegen einer nicht geringen Menge damit gerechtfertigt wurde, dass die nicht geringe Menge ein "Indiz für den Handel" sei, ist dies durch die Lebenswirklichkeit widerlegt. Die praktischen Erfahrungen der Strafverfolger dokumentieren, dass die Konsummengen von Bodybuildern und Kraftsportlern derart erhebliche Mengen erreichen, dass zum Teil selbst bei dreistelligen Überschreitungen der nicht geringen Menge noch von einer Bestimmung zum Eigenkonsum und damit nur von einem hinreichenden Tatverdacht für einen unerlaubten Besitz von Arzneimitteln in nicht geringer Menge zu Dopingzwecken im Sport ausgegangen werden kann"


    Text (Seite 2 im dritten Absatz von oben des Entwurfes):


    "Die im Sport verwendeten Missbrauchsdosierungen anaboler Steroide überschreiten die körpereigene Produktion um das bis zu 120-fache (Andrew B. Parkinson / Nick A. Evans "Anabolic Androgenic Steroids: A Survey of 500Users" 2006)."


    Diese Textpassagen aus dem bayerischen Entwurf bestätigen, das die Grenzmengen in der Dopingmittel-Mengenverordnung durch den Verordnungsgeber so niedrig festgelegt worden sind, dass entgegen der Programmvorgabe des Gesetzgebers das Selbstdoping im Amateursportbereich mit dem besonders dopingrelevantem Bodybuilding und Kraftsport nahezu vollständig kriminalisiert wird.


    Also: "viel Material gesammelt" und "Vorwurf der Verfassungswidrigkeit der Dopingmittel-Mengenverordnung".










  • Interessantes BGH-Urteil:


    2. Leitsatz:


    "Verfassungsrechtliche Bedenken bezüglich der strafbaren Sanktionierung nach § 4 Abs. 1 Nr. 3, § 2 Abs. 3 AntiDopG bestehen entgegen dem Revisionsvorbringen nicht. Die Regelung über die Vorfeldstrafbarkeit ist hinreichend bestimmt. Der Gesetzgeber hat zudem im Rahmen von § 2 Abs. 3 AntiDopG die Strafbarkeit auf den Besitz nicht geringer Dopingmittelmengen beschränkt und damit der fehlenden Strafwürdigkeit des Besitzes kleinerer Mengen zum Eigenkonsum und einer damit einhergehenden eigenverantwortlichen Selbstgefährdung Rechnung getragen."


    Link:


    https://www.hrr-strafrecht.de/hrr/4/17/4-389-17.php


    Das Gesetz ist o. k. Dagegen sage ich auch nichts. Das Problem sind die festgelegten Grenzmengen in der Verordnung, die so niedrig angesetzt worden sind, dass die eigenverantwortliche Selbstgefährdung entgegen der gesetzlichen Vorgabe doch kriminalisiert wird.


    Es bestehen daher erhebliche verfassungsrechtlich Bedenken bezüglich der Dopingmittel-Mengenverordnung!


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  • Der BGH äußert sich in dem Beschluss zur Systematik der Verbotsnorm wie folgt:


    "Der Gesetzgeber hat durch § 2 Abs. 3 AntiDopG den Besitz nicht geringer Mengen von Dopingmitteln deshalb verboten, weil solche Besitzmengen erfahrungsgemäß Vorstufen für einen Handel mit Dopingmitteln darstellen. Es soll mit dieser Regelung bereits der Gefahr der Weitergabe effektiv begegnet und Handlungen, die typischer Weise nur der Vorbereitung für die Weitergabe dienen, begegnet werden."


    "§2 Abs. 3 AntiDopG erfasst entgegen der Auffassung der Revision auch den Besitz zum Eigendoping. Einer Strafbarkeit des Angeklagten nach § 4 Abs. 1 Nr. 3 AntiDopG steht deshalb nicht entgegen, dass der Angeklagte die Dopingmittel grundsätzlich nur zum Zwecke des Eigendopings besaß und allenfalls zu einer nicht geringbringenden Weitergabe bereit war."


    Es kommt also nicht auf den konkreten Einzelfall an, ob das zum Eigenkonsum bestimmt war, sondern ob die Besitzmenge typischer Weise für den Eigenkonsum bestimmt ist. Wer mehr hat als üblicherweise ein Konsument, soll bereits bestraft werden.


    Aus der ersten Textpassage kann im Umkehrschluss geschlossen werden, dass die nicht geringe Menge so festzulegen ist, dass eine solchen Besitzmenge erfahrungsgemäß eine Vorstufe für den Handel mit Dopingmitteln darstellt. Entscheidend ist hier der Begriff "erfahrungsgemäß". Die Annahme "Vorstufe für Handel" zur Festlegung der Grenzmengen muss sich also mit Praxiserfahrung decken. Und dies wurde nach den Angaben im bayerischen Entwurf aus 2012 bezogen auf die in der DmMV festgelegten Grenzmengen durch die Lebenswirklichkeit widerlegt, da die praktischen Erfahrungen der Strafverfolger dokumentieren, dass die Konsummengen von Bodybuildern und Kraftsportlern derart erhebliche Mengen erreichen, dass zum Teil selbst bei dreistelligen Überschreitungen der nicht geringen Menge noch von einer Bestimmung zum Eigenkonsum zu Dopingzwecken im Sport ausgegangen werden kann."


    Die DmMV kann nicht halten. Die Verordnung ist offensichtlich verfassungswidrig und das ist 13 Jahre niemandem aufgefallen. Ich bin sprachlos. Was machen da die Strafverteidiger? Wieso hat das bisher keiner gesehen? Das springt einem doch sofort ins Auge!

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  • hallohallohallohallo wieso gründest du nicht ne Gruppe aus kompetenten Juristen und dann geht ihr gemeinsam gegen den Gesetzesentwurf vor.


    Gesetze werden ja, so viel ich weiß, meistens zum Jahresbeginn geändert, gab ja auch viele gesetztesänderungen im Verkehrsrecht anfang diesen Jahres. Vielleicht kriegt ihr das Gesetz ja bis Anfang 2021 geändert.


    Kann mir bei unserer Regierung jedoch auch gut vorstellen, dass dann so ne Reaktion kommt:

    "Scheiße, die haben ja recht, der eigenkonsum liegt deutlich über der straffreien mengenverordnung... ahh scheiß auf Mengenverordnung, ab jetzt ist auch der alleinige Konsum in geringen Mengen strafbar und jedes bisschen verbotener Substanzen, welches gefunden wird, wird zur Anzeige gebracht ?

    "Lieber breit sterben, als dünn zu leben" :-O-:

  • Das mache ich nicht. Ich Gründe keine Vereinigung. Das einzige was ich bereit bin zu machen ist, einen juristischen Fachaufsatz zu schreiben um damit mein Know-how weiterzugeben und um damit eine juristische Fachdiskussion anzuregen. Ich bin übrigens nicht für die völlige Legalisierung des Dopings. Ich finde das eingeschränkte Besitzverbot richtig. Damit sollen Miniseller gepackt werden. Was mich stört ist, dass die Grenzmengen so niedrig festgelegt worden sind, dass damit faktisch ein uneingeschränktes Besitzverbot auf dem Verordnungswege eingeführt wurde. Die Politik könnte ein uneingeschränkte Besitzverbot mit einem Gesetz versuchen. Dann würde das zum Bundesverfassungsgericht gehen, das darüber entscheiden würde, ob das verfassungsrechtlich geht. Da könnte man auf die Grundsätze des "kein Recht auf Rausch-Urteil" des Bundesverfassungsgerichts zu Cannabis zurückgreifen. Da ginge dann um die Frage, ob Doping in der Gefährlichkeit mit Rauchmitteln vergleichbar ist. Das müsste man wissenschaftlich untersuchen. Das wurde bisher nicht gemacht. Denn ein uneingeschränktes Besitzverbot war politisch im Parlament bisher nicht durchsetzbar. Man konnte sich politisch nur auf die Kompromisslösung mit einem eingeschränktem Besitzverbot einigen. Das man dann aber entgegen dem Gesetz ein uneingeschränktes Besitzverbot faktisch über die Verordnung gemacht hat, kann verfassungsrechtlich nicht akzeptiert werden. Darum geht es mir.

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  • Kann man dagegen klagen? Und was würde mit all den rechtswidrigen Urteilen dann passieren?

    Dass mit der Rechtswidrigkeit ist meine persönliche Rechtsauffassung. Darüber müssten Gerichte entscheiden. Ich sehe aber sehr gute Erfolgsaussichten, das vor Gericht zu gewinnen. Was mit rechtskräftigen Urteilen passieren würde, wenn ich Recht behalten sollte? Nichts! Der Rechtsstaat gibt einem die Möglichkeit Rechtsauffassungen vor Gericht vorzutragen und gegen ein Urteil Rechtsmittel einzulegen. Nur wenn das Bundesverfassungsgericht ein Strafgesetz für nichtig erklärt ist das ein Wiederaufnahmegrund betreffend rechtskräftig abgeschlossene Verfahren. Hier geht es aber nicht um ein Gesetz, sondern um eine Verordnung.

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  • Ich habe den damaligen Oppositionsantrag der Grünen zu dem Regierungsentwurf mit dem eingeschränkten Besitzverbot gefunden.


    Textpassagen aus dem damaligen Antrag der Grünen:


    "Abzulehnen ist hingegen der von der Koalition in die Diskussion gebrachte Vorschlag, den Besitz sog. nicht geringer Mengen bestimmter Dopingsubstanzen unter Strafe zu stellen. Dieser Vorschlag versucht – wie die Forderung Bayerns im Bundesrat (Bundesratsdrucksache 658/06), jeglichen Besitz von Dopingmitteln und jede Unternehmung der Besitzverschaffung unter Strafe zu stellen – das Problem des um sich greifenden Dopingeinsatzes im Sport von der Nachfrageseite her in den Griff zu bekommen. Ein solches Vorgehen ist nicht erfolgversprechend.


    Bei der nunmehr vorgeschlagenen Strafbarkeit des Besitzes nur sog. nicht geringer Mengen wird übersehen, dass ein solches Verhalten bereits jetzt unter Strafe steht. Die Strafwürdigkeit des Besitzes nicht geringer Mengen begründet die Koalition mit der Annahme, dass solche Mengen zur Weiterverbreitung bestimmt sind. Bereits nach heute geltendem Recht macht sich indessen strafbar, wer Arzneimittel zu Dopingzwecken im Sport weitergibt und damit in den Verkehr bringt. Sportlerinnen und Sportler, die nicht geringe Mengen von Dopingmitteln mit sich führen, können schon heute strafrechtlich belangt werden, wenn wegen der Menge nicht davon auszugehen ist, dass es sich nur um Dopingsubstanzen zur eigenen Verwendung handelt.


    Im Übrigen bleibt mit dem Vorschlag der Koalition offen, wie die sog. nicht geringe Menge bei den verschiedenen Dopingsubstanzen zu bestimmen ist. Die Grenzwerte des Betäubungsmittelrechts sind auf Substanzen zu Dopingzwecken nicht anwendbar. Es droht eine jahrelange Auseinandersetzung um die Bestimmung der Grenzen der sog. nicht geringen Mengen."


    Die Textpassagen stehen auf Seite 5 im 3. bis zum 5. Absatzes des Antrages der Grünen. Link:


    http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/041/1604166.pdf


    Die Grünen hatten es geahnt, dass man über die Verordnung dann doch ein uneingeschränktes Besitzverbot einführen würde. Worüber sich die Grünen aber geirrt hatten war die jahrelange Auseinandersetzung um die Bestimmung der Grenzen der nicht geringen Mengen.


    Die Dopingmittel-Mengenverordnung mit der Festlegung der nicht geringen Menge nach der therapeutischen Menge für einen Monat ist 13 Jahre einfach durchgegangen. Es gab bisher überhaupt keine juristische Auseinandersetzung um die Bestimmung der Grenzmengen.


    Das muss sich jetzt ändern.

  • Sehr interessanter Hinweis auf die Rechtslage in Österreich, die ich mir nun angeschaut habe.


    Die Grenzmengenverordnung in Österreich ist mit der Dopingmittel-Mengenverordnung in der BRD nahezu identisch.


    Link zur Grenzmengenverordnung in Österreich:


    https://www.ris.bka.gv.at/Gelt…n&Gesetzesnummer=20009052


    Link zur Dopingmittel-Mengenverordnung in der BRD:


    https://www.gesetze-im-internet.de/dmmv_2020/DmMV.pdf


    Die Strafgesetze sind aber verschieden!


    in Österreich § 22a Abs. 2 AGBG. Text:


    Ebenso ist zu bestrafen, wer in der Verbotsliste genannte anabole Substanzen, Peptidhormone, Wachstumsfaktoren, verwandte Substanzen und Mimetika, Hormone und Stoffwechsel-Modulatoren vorschriftswidrig in einer die Grenzmenge (Abs. 7) übersteigenden Menge mit dem Vorsatz besitzt, dass sie zu Zwecken des Dopings im Zusammenhang mit jeglicher sportlicher Aktivität in Verkehr gesetzt oder bei Sportlern (§ 1a Z 21) oder anderen angewendet werden.


    Also mit dem Vorsatz besitzt, dass sie ...


    - in Verkehr gesetzt werden oder

    - bei Sportlern angewendet werden oder

    - bei anderen angewendet werden


    Sportler sind in § 1a Nr. 21 AGBG gesetzlich definiert und zwar:


    - die Mitglieder oder Lizenznehmer einer Sportorganisation oder einer ihr zugehörigen Organisation sind oder es zum

    Zeitpunkt eines potentiellen Verstoßes gegen Anti-Doping-Regelungen waren oder offensichtlich beabsichtigen, dies zu

    werden, oder

    - die an Wettkämpfen, die von einer Sportorganisation oder von einer ihr zugehörigen Organisation veranstaltet oder aus

    Bundes-Sportförderungsmitteln gefördert werden, teilnehmen oder

    - die sich auf sonstige Weise zur Einhaltung der Anti-Doping-Regelungen verpflichtet haben


    Link zum ADBG:


    https://www.ris.bka.gv.at/Gelt…n&Gesetzesnummer=20005360


    In Österreich fällt der Freizeitsport, der an keinem Wettkampf teilnimmt, nicht unter das Strafgesetz.


    In der BRD ist das anders. Da gibt es den § 2 Abs. 3 AntiDopG. Text:


    Es ist verboten, ein Dopingmittel, das ein in der Anlage zu diesem Gesetz aufgeführter Stoff ist oder einen solchen enthält, in nicht geringer Menge zum Zwecke des Dopings beim Menschen im Sport zu erwerben, zu besitzen oder in oder durch den Geltungsbereich dieses Gesetzes zu verbringen.


    Link zum AntiDopG:


    https://www.gesetze-im-interne…tidopg/BJNR221010015.html


    In der BRD fällt der Freizeitsportler, der an keinen Wettkämpfen teilnimmt, unter diese Norm.


    In Österreich wird die Grenzmenge gem. § 22a Abs. 7 ADBG wie folgt festgesetzt:


    die Untergrenze jener Menge festzusetzen, die geeignet ist, in großem Ausmaß eine Gefahr für das Leben oder die Gesundheit von Menschen herbeizuführen (Grenzmenge).



    Hier geht es also um die Gefährlichkeit.



    In der BRD steht im Gesetz zur Methodik der Festlegung nichts drin. Es steht aber in der Gesetzesbegründung etwas drin und zwar:


    - die Weitergabeabsicht soll sanktionieren werden (Indiz für Handel)

    - das selbstschädigende Doping der Sportler soll straflos bleiben


    Die Festlegung der Grenzmenge in Österreich ist gesetzlich bestimmt nach der Gefährlichkeit der Stoffe und in der BRD ist die nicht geringe Menge nach der Programmvorgabe in der Gesetzesbegründung nach der Handels- zur Konsummenge abzugrenzen.


    Die Grenzmengen sind bei Testosteron mit 632 mg identisch (Österreich: Depotzubereitung / BRD: andere Darreichungsformen).


    Der Freizeitsportler ohne Wettkampfbezug wird


    - in Österreich nicht bestraft

    - in der BRD bestraft


    Dann ist noch der Unterschied, dass in Österreich erst ab einer die Grenzmenge übersteigenden Menge bestraft wird und in der BRD wird bereits ab der nicht geringen Menge bestraft wird. Bei Testosteron mit jeweils 632 mg hat man sich


    - in Österreich noch nicht strafbar gemacht

    - in der BRD bereits strafbar gemacht


    wenn die übrigen Tatbestandsvoraussetzungen jeweils vorliegen.

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  • Korrektur:


    In Österreich fallen Freizeitsportler, die einer Sportorganisation angehören, unter die Strafnorm. Dafür reicht bereits die Mitgliedschaft in einem Sportverein aus. Der fehlende Wettkampfbezug reicht - so wie sich das Gesetz liest - nicht aus, damit man dort straflos bleibt.


    Die Mitgliedschaft in einem gewerblichem Fitnessstudio dürfte keine Mitgliedschaft in einer Sportorganisation darstellen. Sicher weiß ich das aber nicht. Dazu müsste ich die Kommentierung kennen und die habe ich nicht.

  • Zitat aus dem Plenarprotokoll der 77. Bundestagssitzung vom 19.01.2007 (Redner: Stephan Meyer CDU/CSU-Fraktion)


    "Ferner wird der Besitz nicht geringer Mengen von besonders gefährlichen und am häufigsten verwendeten Wirkstoffen insbesondere im Bereich von anabolen Substanzen nunmehr auch beim Sportler unter Strafe gestellt. In diesem Zusammenhang ist deutlich zu machen: Der Begriff „nicht geringe Mengen“ ist so zu definieren, dass sie nicht der Deckung des Eigenbedarfs dienen. Bei ihnen ist davon auszugehen, dass sie in den Handel gegeben werden, dass sich der Sportler also die Dopingmittel nicht zum Eigengebrauch verschafft hat, sondern sie als Händler, als Hehler an andere Sportler weitergeben will. Dies gehört strafrechtlich sanktioniert."


    Link zum Protokoll:


    http://dip21.bundestag.de/dip21/btp/16/16077.pdf


    Das Zitat steht auf Seite 7711 in der rechten Spalte zu (C).


    Nicht schlechter Text mit:


    "Der Begriff „nicht geringe Mengen“ ist so zu definieren, dass sie nicht der Deckung des Eigenbedarfs dienen."


    Daraus kann man machen:


    "Der Verordnungsgeber hat die "nicht geringen Mengen" so festzulegen, dass sie nicht der Deckung des Eigenbedarfs dienen."


    Und dann kann man vom Sinn her auf das obige Zitat verweisen.


    Vernünftiger Mann, der Stephan Mayer. Rechtsanwalt und CSU-Mitglied. Wusste überhaupt nicht, dass das zusammen erlaubt ist.:-thumb2-:

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