von BBC » 03.01.2012, 10:40
In der Justizanstalt Klagenfurt bereiten ein 36-jähriger Slowene und seine um drei Jahre jüngere Ehefrau ihre Verteidigungsstrategie vor. Sie wollen sich mit allen rechtlichen Mitteln dagegen wehren, von Österreich an die USA ausgeliefert zu werden. "In Amerika drohen für den Handel mit verbotenen Steroiden bis zu 20 Jahre Haft", sagt ein Ermittler des Bundeskriminalamtes. In Zusammenarbeit mit Fahndern des Landeskriminalamtes haben er und seine Kollegen seit Sommer 2011 an dem Dopingfall gearbeitet. Damals hatten US-Justizbehörden ein Rechtshilfeersuchen an Österreich geschickt. Der Verdacht: Der 36-Jährige und seine Gattin sollen über ein Netzwerk im Internet weltweit verbotene Dopingsubstanzen verkauft und dabei einen Gewinn von 40 Millionen Euro erzielt haben.
Am Donnerstag der Vorwoche wurden die beiden Slowenen, wie ausführlich berichtet, bei einer koordinierten Polizeiaktion in ihrer fünf Millionen Euro teuren Luxusvilla in Bad Kleinkirchheim verhaftet. In Slowenien hat die Nachricht "wie eine Bombe eingeschlagen", so ein Ermittler des Bundeskriminalamtes in Laibach. Demnach soll der Mann mindestens ein Fitnessstudio in seiner Heimat betrieben haben. Und beim Aufbau des Firmennetzwerkes soll er nicht alleine gewesen sein. In Kärnten wurde gegen den Slowenen Misstrauen wach, als er Anfang der 2000er-Jahre mit dem Bau des auffälligen Blockhauses begann und gleich darauf mit einem Partner noch den Grundstein zu einem zweiten, fast spiegelgleichen Objekt in Bad Kleinkirchheim legte. Ermittler der damaligen Gruppe zur Bekämpfung organisierter Kriminalität im Landesgendarmeriekommando und der EDOK im Innenministerium prüften daraufhin Informationen über Briefkastenfirmen, dubiose Geldflüsse und fragwürdige Konten bei mindestens einer Kärntner Bank.
"Immer wieder geisterte der Verdacht, dass einiges um den Slowenen nicht stimmen könnte, durch die Akten. Konkrete Beweise gab es aber nicht", erinnert sich ein Kriminalist. Jetzt werden die damaligen Erkenntnisse neu bewertet und geprüft.
Für Insider steht hingegen längst fest, dass die Eheleute kaum alleine ihren weltweiten Dopingmittelverkauf aufgezogen haben können. Vor allem in Slowenien könnten in diesem Zusammenhang aber schon "Schwalben zwitschern" wie es im Jargon der Kripo heißt. Im Klartext: Bei allen großen Geschäften gibt es auch Verlierer, die nicht davor zurückschrecken "ihre Geschichte" öffentlich machen zu wollen. Am schwersten trifft die Affäre aber die zwei kleinen Töchter der beiden Verhafteten, die um ihre Eltern bangen.
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